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AUF DER SUCHE NACH DEM "TRAUMJOB WISSENSCHAFT?!"

Deutschland gilt als Land der Innovationen. Deutsche Unternehmen investieren jährlich Milliarden in die Forschung, um sich durch innovative Technologien vom Rest der Welt abzusetzen. Doch ein Großteil der Forschung findet weiterhin an den Hochschulen statt. Die dort tätigen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dabei überwiegend Befristung und Teilzeitstellen ausgesetzt. „Hervorragende Forschung und Lehre lassen sich nur durch stabile Beschäftigungsbedingungen und berechenbare Perspektiven langfristig sichern“, sagte Niklas Horstmann von der Juso-Hochschulgruppe zur Eröffnung einer Podiumsdiskussion, die sich der Suche nach dem „Traumjob Wissenschaft!?“ widmete.
 
Mit ihrem „Herrschinger Kodex“ hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) einen Leitfaden für gute Arbeit in der Wissenschaft geschaffen. Dieser gab Anlass zu einem gemeinsamen Diskussionsabend der Juso-Hochschulgruppe und des Netzwerk Hochschulpolitik in der Hochschulstadt Karlsruhe. Der Einladung folgten Cenderese Sadiku von der GEW, Dr. Elke Luise Barnstedt, Vizepräsidenten für Personal und Recht am KIT, Johannes Stober, SPD-Landtagsabgeordneter, Niklas Zumbroich, Personalrat der Hochschule Karlsruhe sowie Igor Gilitschenski, Doktorand am KIT. Parsa Marvi, SPD-Kreisvorsitzender und Bundestagskandidat wies in einem Grußwort darauf hin, dass prekäre Arbeit in der Mitte der Gesellschaft angelangt sei. Auch Akademiker und Wissenschaftler würden dies spüren. Dieser Trend sei aufzuhalten und umzukehren. In ihrem Impulsreferat unterstrich Sadiku, dass es üblich sei, dass Doktorandinnen und Doktoranden mit halben Stellen stillschweigend den ganzen Tag arbeiteten, ohne dafür eine Entschädigung zu erhalten. Der Herrschinger Kodex sei ein Leitfaden für Hochschulen, die sich ihrer immensen Verantwortung bewusst werden und Mindeststandards für ihre Beschäftigungsverhältnisse schaffen wollen.
 
Die Podiumsgäste stürzten sich in eine angeregte Diskussion, die Andreas Eisinger von Baden TV moderierte. Dr. Barnstedt berichtete aus Sicht des KIT und beschwichtigte damit, dass an ihrer Hochschule vieles besser laufe. So wies sie darauf hin, dass am KIT nur 19% der Beschäftigten Vertragslaufzeiten von unter einem Jahr hätten. „Dabei verschwieg sie jedoch, dass weiterer großer Teil der Belegschaft Verträge mit genau einjähriger Laufzeit hat. Die wissenschaftlichen Angestellten an der Universität sind zu über 80% befristet beschäftigt.“, stellt Horstmann dazu fest. Gilitschenski sprach von seinen persönlichen Erfahrungen und bekräftigte, dass sich die Nähe der Forschung zur Wirtschaft positiv auf die Beschäftigungsbedingungen auswirke. Er sehe eine eklatante Kluft zwischen Arbeitsbedingungen in den Natur- und Geisteswissenschaften. Stober, der im Landtag unter anderem für den Wissenschaftsetat zuständig ist, wies darauf hin, dass sich die Politik ihrer Verantwortung bewusst sei, auch wenn die Finanzlage des Landes angespannt sei. Derzeit konzentriere man sich insbesondere auf den Hochschulpakt 2014 und könne Reformen nur schrittweise durchführen.
 
Ebenfalls rege diskutiert wurde die Familienfreundlichkeit sowie die Entlohnung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Hochschulen. Auf die Frage eines Gastes, ob das KIT den Herrschinger Kodex unterzeichnen werde, antwortete Dr. Barnstedt ausweichend doch versicherte, die Ziele des Kodex soweit möglich umzusetzen.
 
 

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